Zurück zur Natur

 Das Grubenfeld Malapertus wurde im Jahr 1852 vom Königlichen Handelsministerium in Berlin an den Bürgermeister und Bergwerksunternehmer Philipp Heyl aus Weyer bei Villmar verliehen. In den vergangenen Jahrzehnten war die Grube vor allem für den Kalkabbau durch Buderus bekannt. Anfang 2010 fiel bei HeidelbergCement die Entscheidung, das im Jahr 2003 von der Buderus Guss GmbH gekaufte Zementwerk stillzulegen. Seit rund zwei Jahren wird das Grubenfeld verfüllt von dem Unternehmen „Heidelberg Sand und Kies“. Bei einer Informationsveranstaltung im Nachbarschaftszentrum in Niedergirmes und bei einer Begehung der Grube haben sich rund 40 Interessenten über die Rückgabe des Geländes an die Natur ein Bild gemacht. Eingeladen dazu waren die Ortsbeiräte, Mitglieder des Umwelt-, Verkehrs- und Energieausschusses, ebenso wie der Naturschutzbeirat und der AG der Stadtbezirkskonferenz Niedergirmes. Dazu eingeladen hatte das Umweltdezernat der Stadt Wetzlar. Stadtrat Norbert Kortlüke (Bündnis 90/Die Grünen) konnte als Referenten Vertreter von HeidelbergCement und vom Naturschutzbund NABU willkommen heißen.

Ziel der Teilverfüllung sei eine sichere, nachsorgefrei und nutzungsgerechte Renaturierung, so Jürgen Haase von Heidelberg Sand und Kies, einem Tochterunternehmen der Heidelberg Cement. Sein Unternehmen arbeite bei den Maßnahmen mit dem NABU zusammen.

Ingesamt gehe es um drei Steinbrüche: Roter Berg, Hermannstein und Niedergirmes mit einem Gesamtvolumen von 93 Hektar. Bei den beiden letztgenannten Arealen müssten Sicherheitsprobleme beachtet werden. Beispielsweise muss ein Hang Richtung Schauinsland, die sogenannte Südostwand, mit Bauschutt gegen Abrutschen gesichert werden. Hierzu zählten auch Abfälle aus Betonwerken wie Pflastersteine und Betonreste.

Zudem soll ein hochwertiges Biotop entwickelt werden, das vor allem Kröten eine Heimat bietet. Auf dem Gebiet von Hermannstein soll eine Naturschutzfläche von 10 bis 15 Hektar entstehen. Ferner sind 80 Hektar naturnaher Wald geplant sowie eine Ackerfläche von 17 Hektar. Haase rechnet damit, dass die Verfüllung etwa 15 Jahre dauern wird.

Täglich erreichen bis zu 200 Lkw das Grubengelände. Das Loch Roter Berg solle komplett verfüllt werden. Meist werde unbelasteter Boden eingefüllt.

Ulrich Schnarre, Technischer Leiter Deutschland Heidelberger Sand und Kies GmbH, erläuterte die Probleme, die sich beim Verfüllen ergeben und die bei Anwohnern zu Beschwerden führen. Das Lkw-Aufkommen und die Verschmutzung durch die herausfahrenden Fahrzeuge sind immer wieder Kritikpunkte.

NABU Hessen und HeidelbergCement arbeiten bei der Renaturierung eng zusammen

HeidelbergCement habe deshalb etliche Maßnahmen eingeleitet, um die Ursachen der Klagen zu beseitigen. So seien alle Fuhrunternehmen angewiesen, nur rechts abzubiegen. Ferner sei auf dem Gelände ein Warteplatz eingerichtet worden, um die Straße vor dem Gelände zu entlasten.

Der Geschäftsführer des NABU Hessen, Hartmut Mai, und Projektleiter Dominik Heinz erläuterten die Naturschutzziele. Die seit vielen Jahren nicht mehr genutzten Bereiche der Malapertus seien Lebensraum für viele Tiere geworden, die zum Teil hessenweite Bedeutung hätten.

Der NABU habe sich deshalb dafür eingesetzt, dass im Gespräch mit HeidelbergCement ein Naturschutzkonzept entstehe.

Auf dem Gelände würden laufend neue Kleingewässer entstehen. Die Grube biete viele verschiedene Lebensräume. Die Tiere erlebten nur wenige Störungen durch den Menschen. In der Grube brüten unter anderem Uhus, Flussregenpfeifer und die in Sibirien beheimateten Zwergschnepfen.

Die größte Population von Kreuzkröten mit bis zu 5000 Tieren habe eine herausragende Bedeutung in Hessen. Auch die Geburtshelferkröte soll mit bis zu 4000 Exemplaren in der Grube herumhüpfen.

„Wir sind dankbar, dass wir den Vorgang der Verfüllung ökologisch mitbegleiten können“, so Mai. Dort wo Tiere von der Verfüllung bedroht sind, sorgen die Naturschützer für umfangreiche Umsiedlungen. Nach Angaben von Heinz wurden im vergangenen Jahr so 6500 Tiere umgesiedelt, vor allem Kreuzkröten und Geburtshelferkröten.

Der NABU setzt sich für die Installation eines Bewässerungssystems für Kleingewässer ein, hat vier Amphibienzäune mit einer Gesamtlänge von 800 Metern aufgestellt und betreut diese.

Auf die Frage, in wieweit das Gelände wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde, wies Schnarre darauf hin, dass es nach wie vor Grubenlöcher geben werde. Hier seien Sicherheitsfragen zu beachten. Mai gab zu bedenken, dass es für die Tiere Gebiete geben müsse, in denen sie ungestört sind.

Es werde aber an einem Umweltbildungskonzept gearbeitet, das auch Schulen einbindet. So ist an einen Lehrpfad mit Informationstafeln gedacht. Kortlüke sagte, es werde an einer Wegeführung durch einige Bereiche gearbeitet.

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