Windradplaner üben Zuversicht – EEG verschärft Bedingungen für neue Anlagen / Antragszahlen gehen zurück

Wetzlar, 15.11.17 Die Bedingungen für den Bau neuer Windparks sind schwieriger geworden. Statt mit festen Vergütungen zu rechnen, müssen Betreiber auf Ausschreibungen der Bundesnetzagentur bieten. Die Planungen für die Windräder bei Blasbach und Hermannstein laufen aber weiter.

„Wir sind von unseren beiden Standorten überzeugt“, sagt Martin Demmeler, Projektleiter bei Green City Energie. Das börsennotierte Unternehmen mit Sitz in München war im Sommer dieses Jahres in die Betreibergesellschaft des geplanten Windparks Wetzlar eingestiegen, neben dem bisherigen Investor Koehler Renewable Energy (KRE) aus Oberkirch im Schwarzwald.

Vorgesehen sind derzeit sechs Windräder, drei in der Gemarkung Blasbach, drei auf Hermannsteiner Gebiet. Den Genehmigungsantrag für die Windräder bei Blasbach hatte KRE bereits vor einem Jahr beim Regierungspräsidium (RP) in Gießen eingereicht. Die Antragsunterlagen seien noch nicht vollständig, teilt das RP dazu mit. „Wir sind in der letzten Phase der Planung“, sagt Demmeler dazu.

Der Ausbau der Windkraft in Deutschland ist geregelt durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Ab diesem Jahr sind die Bedingungen weitaus schwieriger geworden als bisher. Projektentwickler konnten früher mit festen Vergütungen für den Windstrom kalkulieren. Nun müssen sie im Wettbewerb mit anderen Anlagen mitbieten. Die Bundesnetzagentur schreibt bestimmte Kontingente aus. Projektentwickler müssen angeben, wie viel Vergütung sie benötigen, um ihre Anlagen wirtschaftlich betreiben zu können, erklärt Demmeler. Das Ganze läuft in Ausschreibungsrunden ab, der Bund hat den Ausbau der Windkraft gedeckelt.

Preislich heißt das: Bis Ende vergangenen Jahres habe die Vergütung pro Kilowattstunde Windstrom 9 Cent betragen. Mittlerweile seien es nur noch 4,3 Cent, sagt Demmeler. Im Gegenzug würden Windradhersteller aber immer weiter verbesserte Anlagen anbieten, die leistungsstärker als bisher seien. Dadurch könne günstiger als früher Windstrom erzeugt werden. Für die Standorte Blasbach und Hermannstein arbeite man auch mit den Anlagenherstellern an einem „schlüssigen Konzept“.

Im vorigen Jahr gab es Genehmigungen für 85 neue Windräder, in diesem Jahr noch keine einzige

Insgesamt seien in Mittelhessen zuletzt deutlich weniger Anträge zur Genehmigung von Windrädern eingereicht worden als früher, das berichtete Regierungspräsident Christoph Ullrich (CDU) in der vergangenen Woche am Rande der Sitzung der Regionalversammlung in Wetzlar, die über die Vorrangflächen für Windenergie beschloss.

Auf Nachfrage lieferte das RP Zahlen: Voriges Jahr, vor den Verschärfungen durch das neue EEG, wurden 85 neue Windräder genehmigt, 17 neue Anträge gingen ein. In diesem Jahr gingen nur noch zwei Anträge für den Bau von insgesamt fünf neuen Anlagen ein. Genehmigt wurde in diesem Jahr keine.

Ohnehin dürfen ab kommendem Jahr in Ausschreibungsrunden nur Betreiber von Anlagen mitbieten, die schon eine Genehmigung erhalten haben.

Manche Projekte werden durch die veränderten Bedingungen ausgebremst. So machten die Investoren eines bei Marburg geplanten Windparks jüngst einen Rückzieher, mit Verweis auf die geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Die Planer des Windparks Wetzlar zeigen sich indes zuversichtlich. „Wir sehen uns auf einem guten Weg“, versichert Demmeler. Wann die Pläne für die drei Windräder bei Hermannstein zur Antragsreife gebracht sein werden, sei aber noch unklar.

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