Der Fahrradbeauftrage Peter Fuess hat es vorgeschlagen, Umweltdezernent Norbert Kortlüke setzt es um

Neuling am Straßenrand

Wetzlar 20.07.17 – (-) Es ist eine Art Zwitter, was sich da in der Volpertshäuser Straße am rechten Rand der Fahrbahn den Berg hinaufzieht. Den Schutzstreifen kennen nur wenige Radler und noch weniger Autofahrer. Ein Porträt.

Bergab rollen Radler gerade wie ein Strich, die Volpertshäuser Straße hinauf in Richtung Krankenhaus geht es eher im Wiegetritt, ausladend und langsamer. Daher gibt es den ersten Schutzstreifen für Radler in Wetzlar nur in einer Richtung, nach oben nämlich. Dort ist der Schutz nötiger. Dezernent Norbert Kortlüke (Grüne) und der städtische Radverkehrsbeauftragte Peter Fuess stellten das Novum am Montag vor, verbunden mit einigen erklärenden Worten – wie das so üblich ist bei einer Premiere. Selbst unter Verkehrsplanern, sagte Fuess, sei der Schutzstreifen recht unbekannt. Von Autofahrern ganz zu schweigen.

Der Streifen könnte auch wirken, wenn dort niemand radelt: Die engere Fahrbahn soll das Tempo drosseln.

Optisch ist der Schutzstreifen vom Radstreifen dadurch zu unterscheiden, dass er mit einer gestrichelten Linie vom Rest der Fahrbahn abgetrennt ist. Das ist durchaus logisch: Den Schutzstreifen nämlich dürfen Autos, Busse oder Lastwagen befahren, wenn das zum Beispiel wegen des Gegenverkehrs nötig ist – und wenn dort kein Radler unterwegs ist. Beim Radfahrstreifen ist das verboten. Zudem ist ein Schutzstreifen leichter anzuordnen, sagte Kortlüke. Parken ist auf beiden verboten.

Und auch das Ziel beider Konstrukte ist gleich: Radfahrer sollen einen eigenen Raum auf der Straße erhalten, der übrige Verkehr aufmerksam auf sie werden. Rund 1000 Euro kostet dies im Fall des 1,50 Meter breiten Streifens in der Volpertshäuser Straße laut Stadt.

Die Verantwortlichen erhoffen sich von diesem ersten Muster in Wetzlar, dass sich Auto- wie Radfahrer an das neue Konstrukt gewöhnen. Denn, sagte Kortlüke, im künftigen Radverkehrskonzept der Stadt werde man sich nicht überall fix auf den Bau neuer Radwege festlegen können, man müsse eine Instrumentarium verschiedener Lösungen haben. Für den Schutzstreifen spricht dabei laut Fuess, dass die gestrichelte Markierung zwar günstiger und einfacher aufzubringen ist als ein Radfahrstreifen, aber ebenso zur Entschleunigung des Verkehrs beiträgt, weil die Fahrbahn optisch eingeengt wird.

Die Anwohnerin jedenfalls, die am Montag spontan zum Pressetermin am Streifen stieß, zeigt sich neugierig. Und überrascht. „Hier oben wird doch gar nicht so viel Rad gefahren“, stellte die Dame fest. „Noch nicht“, reagierte Kortlüke. Aber wenn man bessere Bedingungen für Radverkehr schaffe, fördere man damit auch die Nutzung. Und Fuess sagte, die Volpertshäuser Straße sei als Verbindung aus der Stadt in Richtung Stoppelberg und Weidenhausen sehr wichtig.

Dass der Schutzstreifen nur eine begrenzte Länge hat und nicht die komplette Straße hinauf läuft, erklären Fuess und Kortlüke mit der Straßenbreite. Die sei nicht überall ausreichend groß. Daran sollte das Projekt aber nicht scheitern.

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