Kortlüke setzt aufs Rad

(27.02.17) – (-) Im Umweltamt wird derzeit an einem Förderantrag für ein Konzept zur Nahmobilität gearbeitet. Einen aktuellen Presseartikel der WNZ finden Sie hier:

 

WNZ, 27.02.2017

Kortlüke setzt aufs Rad

VERKEHR Konzept zur Förderung der Nahmobilität in Planung
Im Rathaus ist derzeit ein Fuß- und Radwegekonzept in Vorbereitung, das Maßnahmen zur Verbesserung der Situation für Fußgänger und Radler enthalten soll. Die Erstellung des Konzeptes will die Stadt nach Worten von Dezernent Norbert Kortlüke (Grüne) an ein externes Büro vergeben. Die Kosten sollen aus der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundes gefördert werden – 70 Prozent betrage die Förderquote. Für die Stadt bleibt ein Eigenanteil zu leisten, dafür sind laut Kortlüke 20 000 Euro im Haushalt eingeplant.

Wozu das Ganze? Kortlüke blättert in seinen Unterlagen und liest Zahlen aus einer Verkehrserfassung aus dem Jahr 2013 vor. Forscher fanden damals heraus, dass 61 Prozent aller Verkehrsleistung in Wetzlar über den motorisierten Individualverkehr erbracht wird, also zum Beispiel per Auto.

Der Anteil des öffentlichen Personennahverkehrs liegt demnach bei zehn Prozent, zu Fuß werden 26 Prozent, mit dem Rad drei Prozent der Verkehrsleistung erbracht. Vor allem dieser Wert sei extrem niedrig, sagt Kortlüke. Der Bundesschnitt liege bei zehn Prozent.

Im Fuß- und Radwegekonzept sollen Maßnahmen aufgeführt werden, die die Situation für Radler und Fußgänger verbessern. Das können neue Radwege sein, Lückenschlüsse, Schilder, aber auch Infrastruktur wie Fahrradständer. Die Projekte selbst würden im Gegensatz zum Konzept nicht bezuschusst. Bezahlt werde aber ein Mobilitätsmanager, der die Umsetzung begleite.

Workshops und eine Befahrung der Stadt sollen die Erstellung des Konzepts begleiten

Der Zeitplan sieht vor, dass im Juli der Zuschussantrag gestellt wird. Nach der Ausschreibung und Vergabe soll im Sommer 2018 die praktische Arbeit am Konzept starten. Dabei möchte Kortlüke dem Ersteller des Konzepts nicht komplett freie Hand geben, sondern lokale Expertise an die Seite stellen. Geplant sind Bürgerbeteiligung durch Workshops und eine Befahrung der Stadt und der Stadtteile mit dem Rad. Zudem soll die im Rathaus fest eingerichtete Verkehrskoordinierungsgruppe, in der unter anderem Polizei und Ordnungsamt vertreten sind, die Erstellung des Projekts begleiten. Ziel: Planungen, die aus rechtlichen Gründen oder Erfahrungswerten keinen Sinn machen, gleich ausschließen.

Sechs bis zwölf Monate soll die Konzepterstellung dauern, danach die Umsetzung beginnen. Anfang bis Mitte 2019 wäre das also. Momentan werden im Umweltamt, wo Kortlüke aus dem bisher „nur“ für den Nahverkehr zuständigen Manfred Schieche und zwei Kollegen das Sachgebiet Nahmobilität geformt hat, zunächst alte Pläne gewälzt: Die Mitarbeiter prüfen, welche Ziele aus dem alten Generalverkehrsplan der Stadt vor dem Radverkehrskonzept umgesetzt werden können.

Das Problem sei, dass man alles, was Teil des Konzepts werden solle, nicht schon vorher anfangen könne. Das sei förderschädlich, sagt Kortlüke, könne also dazu führen, dass die Förderung flach fällt.

Umsetzen will die Stadt in diesem Jahr den Lückenschluss des Lahntalradwegs zwischen Ponton- und Alter Lahnbrücke. Zudem sollen am Haarplatz Fahrradboxen aufgestellt werden – praktisch zum Beispiel für Touristen, die die Räder dort parken und dann zum Dom hinauf schlendern. Die in der Stadt bisher nur rudimentär vorhandene Radwegebeschilderung soll Teil des Konzepts werden, müsse also noch warten, kündigt Kortlüke an und hofft auf Verständnis der Radfahrer.

Eine wichtige Rolle fällt dem städtischen Radverkehrsbeauftragten Peter Fuess zu. Er soll die Planungen aus Sicht der Radler begleiten und scharrt sinnbildlich gesprochen mit den Reifen.

Fuess: Bei dem Projekt fahrradfreundliche Stadt ist vieles versandet

Vor drei Jahren hatte die Stadt das Projekt einer fahrradfreundlichen Stadt gestartet und Fuess installiert. Arbeitsgruppen legten in der Folgezeit Verbesserungsvorschläge vor, Wetzlar beteiligte sich bald danach erstmals am „Stadtradeln“. Doch dann sei vieles versandet, stellt Fuess nun fest und spricht exemplarisch die vielfach gewünschte bessere Wegeführung entlang der Einfallstraßen in die Stadt an.

Kortlüke erklärt das mit dem Ausscheiden zweier wichtiger Mitarbeiter aus der Verwaltung, weswegen man nun also externe Hilfe einkaufe. Das Interesse am Radfahren in der Stadt sei in jedem Fall da, sind sich Kortlüke und Fuess einig. Das zeigten nicht zuletzt die Touren des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), die immer sehr gut angenommen würden.

https://www.nahmobil-hessen.de/Nahmobilitaet

http://www.adfc-lahn-dill.de

 

 

 

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