Von dieser Zusammenarbeit profitieren alle: Die von angehenden Gartenbau-Werkern in der IJB-Außenstelle am Hörnsheimer Eck erstellten Nistkästen und Hochbeete bereichern Liegenschaften der Wetzlarer Wohnungsgesellschaft. Zudem sind sie ein Beitrag für das Projekt der Stadt, kleingärtnerische Nutzung in Siedlungsgebieten zu ermöglichen. Übrigens: Die beiden Mädchen mit den Nistkästen gehören zu den jungen Leuten, die im Rahmen des „Girls Days“ sich über die Arbeit der Stadtverwaltung informierten. (Foto: Lugauer)

Hochbeet für das Altenzentrum

Wetzlar 29.04.17 (-) – Junge Leute bauen im Rahmen ihrer Ausbildung Nistkästen und Hochbeete. Damit wertet die Wetzlarer Wohnungsgesellschaften ihre Liegenschaften auf.

Zugleich ist diese Zusammenarbeit, so Umweltdezernent Norbert Kortlüke (Grüne), ein Beitrag für die „Essbare Stadt“. Die Kooperation der WWG und der Gemeinnützigen IJB GmbH, die lernbehinderte Jugendliche betreut, gehe auf einen Workshop in Wetzlar zurück, der Ideen sammelte mit dem Ziel, Nutzpflanzen verstärkt in den öffentlichen Raum zu bringen. Dieses „urban gardening“ (urbaner Gartenbau) ist seit einiger Zeit heiß diskutiertes Thema in den städtischen Gremien.

Inzwischen sind die ersten sechs Hochbeete aufgestellt – zwei im Bereich Nachbarschaftszentrum, zwei auf dem Areal der WWG-Tagespflegeeinrichtung in Naunheim und zwei am Altenzentrum Pariser Gasse.

Gerade dort erfüllt das 1,34 Meter lange und 94 Zentimeter breite Hochbeet, das aus unbehandelter Douglasie besteht – der Boden mit Teichfolie, die Innenwände mit Noppenbahnen verkleidet – noch weitere Funktionen. Dort kommt es zur Begegnung der Generationen – hier die Senioren, die das Hochbeet gärtnerisch nutzen, dort die jungen Leute, die das Hochbeet aufstellen und befüllen. Außerdem hat solch ein Beet nach Angaben von WWG-Geschäftsführer Harald Seipp noch einen therapeutischen Zweck – vor allem bei demenziell erkrankten Bewohnern des Altenzentrums. Die Auszubildenden wiederum freuen sich, dass ihre Pflanzenbehälter, aber auch die Vogelhäuschen, gebraucht und genutzt werden. Betreut werden die jungen Leute von der IJB GmbH, ehemals Initiative für Jugendberufsbildung der sozialen Brennpunkte in Gießen e. V. Der Verein, so erläuterte Geschäftsführer Rüdiger Harz-Bornwasser, will benachteiligte Jugendliche bei der beruflichen Orientierung, bei der Qualifizierung sowie bei deren Integration in den Arbeitsmarkt unterstützen.

Wer später in Gärtnereibetrieben Rasen mähen oder Hecken schneiden soll, braucht kein Abitur

Die IJB als anerkannter Träger der Jugendhilfe stelle heute in unterschiedlichen Programmen weit über 100 Beschäftigungs- und Qualifizierungsplätze für benachteiligte Jugendliche und Erwachsene zur Verfügung.

Es gehe um berufliche Orientierung in den Arbeitsbereichen Garten- und Landschaftsbau sowie Verkauf. Hinzu kommen individuelle Hilfeangebote, um Hemmnisse für eine erfolgreiche Vermittlung (fehlender Schulabschluss, kein Führerschein, Analphabetismus, Bewährungsstrafen oder Schulden) zu minimieren.

Der Sitz der Hauptverwaltung der IJB ist in Gießen (Nordanlage 33). Zudem gibt es in der Grünberger Straße 140 das Außengelände „Baustein“.

Hinzu kommt seit 2015 eine Außenstelle zur Ausbildung der Gartenbauwerker in Wetzlar, Hörnsheimer Eck 9. Genau dort entstanden die Nistkästen und Hochbeete, deren Standort leicht zu wechseln sind, weil sie auf Europaletten montiert wurden.

Am 14. August beginnt hier der inzwischen dritte Ausbildungsgang. Er ermöglicht Abgängern aus Förderschulen einen Zugang zum Arbeitsmarkt. Bei dieser Reha-Ausbildung zum Gartenbau-Werker wird die Ausbildung theoriereduziert durchgeführt und es findet jede Woche Stütz- und Förderunterricht statt, um das in der Berufsschule (Willy-Brandt-Schule in Gießen) Gelernte zu festigen und individuelle Hilfe bei verschiedenen Lernschwierigkeiten zu geben. Die Idee dahinter: Wer später als Helfer in Gärtnereibetrieben Rasen mähen oder Hecken schneiden soll, braucht kein Abitur. Auch mathematische Schwächen fallen bei derartigen Tätigkeiten nicht ins Gewicht.

Beim Ortstermin am Hörnsheimer Eck kündigten sowohl Dezernent Kortlüke als auch WWG und IJB weitere gemeinsame Projekte bei der gärtnerischen Nutzung in Siedlungsgebieten an.

So wollen die angehenden Gartenbau-Werker in Kürze auch kleiner dimensionierte Hochbeete bauen. Und die WWG plant in Zusammenarbeit mit der GWAB im Westend die Anpflanzung von Obstbäumen. Die Bewohner sind dann zum Mitmachen ebenso eingeladen wie später bei der Ernte der Früchte.

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