Der Haarplatz ist elektrisierend

WETZLAR, 01.11.17 Ein Boom ist es noch nicht, den die Elektromobilität erfährt. Doch Autos und Räder „auf Strom“ werden immer mehr. Die Stadt Wetzlar verbessert daher ihre Infrastruktur, insbesondere für Touristen.

Zwei Projekte, ein Ansinnen: Mobilität umweltfreundlicher machen. Am Haarplatz können Besucher der Stadt, aber auch ihre Einwohner seit Kurzem ihre elektrisch betriebenen Fahrzeuge „tanken“. Die Stadt Wetzlar und ihre Partner setzen dabei auf die aktuelle Technik mit Smartphone, Internet.

„Gerade im Tourismus setzen immer mehr Radfahrer auf E-Bikes“, sagt Regina Maiworm, Leiterin der Wetzlarer Tourist-Info. Den Lahntalradweg, der am Haarplatz vorbei führt, nennt sie dabei einen wichtigen Frequenzbringer für die Stadt. Feste Zahlen gebe es zwar nicht – das Zählen von Radfahrern ist kompliziert – doch rechne man mit 40 000 bis 50 000 Radlern jährlich auf dem Weg, davon etwa ein Viertel mit Übernachtung. Doch auch jene, die nur „durchreisen“, will Wetzlar erreichen. Zumindest einen Spaziergang durch die Altstadt, ein Snack, ein kleiner Einkaufsbummel sollte doch drin sein.

Damit diese ihr Rad nicht irgendwo unbeobachtet abstellen müssen, hat die Stadt elektrifizierte Fahrradboxen aufstellen lassen. „Es ist ein gemeinsames Projekt von Tiefbauamt und der Tourist-Info“, sagt der für Umwelt wie für Tourismus zuständige Stadtrat Norbert Kortlüke (Grüne). Die sechs Boxen können – über www.bikeandridebox.de – mit dem Smartphone gebucht werden. Zwei Stunden kosten zwei Euro, 24 Stunden liegen bei fünf Euro. Die Boxen können für ganz gewöhnliche Räder genutzt werden – oder eben für E-Bikes, denn sie haben eine Steckdose. Und ein Rad einmal zu laden, das ist nach knapp zwei Stunden abgeschlossen. Genug Zeit für einen Gang durch die Altstadt.

Nach weniger als einer Stunde an der Ladestation können die meisten E-Autos wieder fahren

„Und weil die enwag ohnehin Strom legen musste, haben wir gefragt, ob eine Ladesäule für Autos auch machbar sei“, sagt Kortlüke. Die enwag konnte, als Projekt mit der Unternehmensgruppe Möglich und wiederum der Stadt. „Der Haarplatz liegt ja sehr zentral“, freut sich enwag-Geschäftsführer Berndt Hartmann über den Standort. „Wir wollen den CO2-neutralen Fahrzeugbetrieb voranbringen. Deshalb investieren wir in die Ladeinfrastruktur vor Ort“, sagt Hartmann. Und nicht nur in die: Die „Tanker“ bekommen am Haarplatz den Strom kostenfrei. Und auch parken dürfen sie für zwei Stunden gratis – üblicherweise ist der Haarplatz kostenpflichtig.

Technisch setzt die enwag auch darauf, möglichst viele Nutzer von Elektrofahrzeugen zu erreichen. Also bietet die Ladesäule keinen schnellen Gleichstromanschluss, sondern 22 kW Wechselstrom. „Das ist die größtmögliche Leistung aus dem Wechselstromnetz“, erklärt Hartmann. Nach weniger als einer Stunde an der Station kann ein durchschnittliches E-Mobil wieder fahren, nach einem guten Spaziergang mit Mittagessen in der Altstadt, nach den kostenlosen zwei Stunden können die Fahrer ihre Tour durch Mittelhessen fortsetzen.

Das eigene Unternehmen, erklärt Hartmann, fährt inzwischen mit fünf Elektroautos durch die Stadt. Und bei der Vorstellung des neuen Angebots hatte der enwag-Geschäftsführer nicht einmal die Chance, beide mitgebrachten E-Autos aufzuladen: die zweite Säule hat sich schon der Fahrer eines Elektrowagens eines heimischen Heizungsbauers geschnappt.

So beliebt ist das Fahren mit Strom mittlerweile doch schon.

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