Das Ziel ist die Wende im Heizungskeller

 Vor vier Wochen haben der Landesverband der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz und die Brancheninitiative „Zukunft Erdgas“ die Raustauschwochen gestartet. Kooperationspartner sind namhafte Heizgerätehersteller. Die Raustauschwochen sollen den Austausch veralteter Heizungsanlagen von Hausbesitzern in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland voranbringen. Sie sind eine Art Abwrackprämie für alte Heizungen. Ihr Ziel soll aber nicht ein Konjunkturprogramm für Installateure sein, sondern die Reduzierung des CO2-Ausstoßes.

Anders als der Strom wird die Wärme noch immer stiefmütterlich behandelt auf dem Weg zur Energiewende

Um ehrgeizige 55 Prozent will die Bundesregierung die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 senken. Um das zu erreichen, muss noch viel unternommen werden und beim Thema Heizung gibt es da noch eine Menge Potenzial. Denn anders als der Strom wird die Wärme noch immer stiefmütterlich behandelt auf dem Weg zur Energiewende, sagte Umweltdezernent und enwag-Aufsichtsratsvorsitzender Norbert Kortlüke (Grüne).

14 Millionen Heizkessel in deutschen Kellern gelten als veraltet, 8,7 Millionen davon befänden sich bereits „jenseits von Gut und Böse“, berichtete enwag-Geschäftsführer Berndt Hartmann. Wetzlar mache da keine Ausnahme. Mehr als ein Drittel der Heizungen sei 20 Jahre und älter und verantwortlich für einen Großteil der CO2-Emissionen.

Die Modernisierung sei nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für die Heizkostenrechnung. Durch den Austausch einer klassischen Gasheizung gegen eine neue Brennwertheizung würden 30 Prozent weniger CO2 freigesetzt und Haushalte könnten rund 30 Prozent Heizkosten sparen. Das summiere sich beim durchschnittlichen Einfamilienhaus auf bis zu 700 Euro im Jahr, rechnete Hartmann.

Bleiben die Anschaffungskosten: Die Umrüstung auf eine moderne Brennwertheizung kostet nach Angaben der Initiative „Zukunft Erdgas“ im Schnitt 7650 Euro. Dafür gibt 1147,40 Euro staatliche Förderung über die KfW. Insgesamt koste der Umstieg also 6503 Euro und amortisiere sich nach knapp neun Jahren. Im Rahmen der Raustauschwochen zahlen die teilnehmenden Hersteller im Aktionszeitraum bis 31. Oktober zusätzlich eine Prämie von 200 Euro. Weitere 250 Euro Lieferprämie gibt es von der enwag bei Abschluss eines Erdgasliefervertrages „WetzlarGas“ mit zwei Jahren Laufzeit. Das gilt für Neu- wie Bestandskunden der enwag und der Gasversorgung Lahn-Dill. Heizungsmodernisierer, die von Öl auf Gas umstellen, erhalten obendrein ein kostenfreies Thermografiepaket im Wert von 149 Euro für die neue Anlage. Die staatlichen Förderungen erhöhen sich jeweils für Kombinationen mit Solarthermie, Mikro-KWK, Brennstoffzelle oder Gaswärmepumpe. Voraussetzung für die Förderungen im Rahmen der Raustauschwochen ist, dass die Anträge bis 31. Oktober eingereicht werden. Erhältlich sind die Anträge bei der enwag und im Internet unter www.enwag.de

Kortlüke sieht die Aktion auch im Zusammenhang mit dem Energie- und Klimaschutzkonzept der Stadt. Danach sollen in Wetzlar bis zum Jahr 2022 die Treibhausgasemissionen um 30 Prozent reduziert werden. Privathaushalte und Gewerbe könnten dazu den größten Beitrag leisten. Jede Energieeffizienzmaßnahme bringe weiter. Ab 3. Mai finde zusätzlich eine Ausstellung mit Schwerpunkt Solartthermie im Rathaus statt.

Laut enwag-Chef Hartmann empfiehlt sich der Austausch in der warmen Jahreszeit, um nicht im Winter auf die Heizung verzichten zu müssen. Die Installateurarbeiten seien in der Regel innerhalb von zwei Tagen erledigt.

enwag unterstützt die Modernisierung, auch wenn sie dadurch künftig womöglich weniger Gas verkauft

Auch wenn die enwag durch die Aktion künftig weniger Gas verkaufen sollte, habe sie ein Interesse daran, dass der Sanierungsstau im Heizungskeller abgebaut wird. „Gewinnmaximierung ist nicht unsere Philosophie“, sagte Hartmann. Es gehe zum einen darum, das Erreichen der Klimaziele zu unterstützen, andererseits könnten sich für den Versorger auch neue Marktfelder auftun und neue Kunden gewonnen werden. Energieberatung leiste die enwag ohnehin schon lange. Um das Klimaziel der Bundesregierung zu erreichen, müsse die derzeitige Austauschquote von unter einem Prozent auf mindestens drei Prozent steigen.

Informationen zum Heizungstausch gibt es unter www.enwag.de und und im enwag-Service-Center unter & (0 64 41) 93 95 00.

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