Baustellen bedeuten Ausnahmezustand

Gut 2000 Arbeitsplätze im Leitz-Park, Verschiebungen bei Schulschwerpunkten viele Verkehrsströme sind heute anders vor zwei Jahrzehnten. Und das wirkt sich teils enorm auf die Auslastung der Stadtbusse aus. Darauf hat Manfred Thielmann, Geschäftsführer der Werner Gimmler Wetzlarer Verkehrsbetriebe, im Fahrgastbeirat der Stadt Wetzlar und des Lahn-Dill-Kreises hingewiesen.

Das vor vier Jahren ins Leben gerufene Gremium vertritt die Interessen der Fahrgäste im ÖPNV von Stadt und Kreis. Mittwochabend tagte es im Wetzlarer Rathaus.

Die Firma Gimmler, seit 1976 komplett im städtischen Besitz, gewährleistet den Stadtbusverkehr in Wetzlar: Derzeit 38 Busse, im Durchschnitt 4,5 Jahre alt, und 120 Fahrer legen insgesamt 1,4 Millionen Kilometer zurück, wie Thielmann berichtete. Seit die Landesregierung auf privatwirtschaftlichen Wettbewerb im ÖPNV setzte, sei Gimmler enorm gewachsen. „Wir sind heute fünfmal so groß wie vor fünfzehn Jahren.“

Thielmann ging es im Fahrgastbeirat vor allem darum, über die Bedingungen für den Wetzlarer Stadtbusverkehr aufzuklären. Denn: Beim Fahrgastbeirat sei eine ganze Reihe von Beschwerden eingegangen, berichtete dessen Sprecherin Barbara Böcher: „Unzufriedenheit mit Fahrern, der Umgang mit Fahrgästen, Fahrstil, Qualität der Busse.“

„Wir sehen alles. Auch, wenn ein Fahrer mit Tempo 55 über den Karl-Kellner-Ring fährt“

Thielmanns Aufforderung: „Wenn etwas passiert, das nicht in Ordnung ist: Bitte nennen Sie uns umgehend Linie, Fahrtrichtung und Uhrzeit.“ Mit diesen Angaben sei kurzfristig nachvollziehbar, was geschehen ist. Die Busfahrer seien heute geradezu gläsern. Sämtliche Busse seien per GPS und Computer mit der Zentrale vernetzt. „Wir sehen alles“, sagte Thielmann. „Auch, wenn ein Fahrer mit Tempo 55 über den Karl-Kellner-Ring fährt.“

Der Geschäftsführer bat zugleich um Verständnis für die extrem schwierigen Bedingungen für den Wetzlarer Stadtbusverkehr seit gut zwei Jahren: Wegen der monatelange Bauarbeiten an zentralen Stellen der Stadt, beispielsweise am Leitzplatz, in der Bergstraße, der Friedenstraße und zuletzt am Gloëlknoten, hätten weder Fahrpläne noch Dienstpläne Bestand. Zeitweise hätten Fahrer in Absprache mit dem Betriebsrat sogar auf Pausen verzichtet, „um einigermaßen den Stadtbusverkehr in Wetzlar aufrechtzuerhalten“, sagte Thielmann. Allein der Ausbau des Leitzplatzes habe zu Verspätungen von bis zu 45 Minuten geführt. Thema war auch Fahrgastkritik, weil Busse nicht direkt an die sogenannten Hochbords von Haltestellen fahren, damit Passagiere barrierefrei ein- und aussteigen können. Problem seien in diesem Fall weder Bus noch Fahrer, sondern falsch – nämlich zu hoch – gebaute Bords.

Thielmann sprach auch die Anforderungen an die Busfahrer an. Eigentlich dürfe der Fahrer eines mit Fahrgästen besetzten Busses zu keiner Zeit das Lenkrad verlassen, um beispielsweise einem Rollstuhlfahrer oder einer Person mit Kinderwagen behilflich zu sein. Tut er es doch, handelt er auf eigenes Risiko. Armin Lühring aus Werdorf, Mitglied des Fahrgastbeirats und selbst Busfahrer, berichtete: Zwei Kollegen sei bei einer solchen Gelegenheit die gefüllte Kasse geklaut worden.

Geänderte und dichtere Verkehrsströme sowie mehr Fahrgäste machten es dringend erforderlich, den Fahrplan des Stadtbusnetzes zu aktualisieren, sagte Thielmann. Mehr Busse und dichtere Taktung sind mit höheren Kosten verbunden – die Entscheidung darüber liegt bei den Stadtverordneten.

Die vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) vorgesehene Zehn-Minuten-Garantie sieht Thielmann wegen der derzeitigen Situation in Wetzlar äußerst kritisch. Die Regelung sieht vor, dass Fahrgäste sich den Fahrpreis erstatten lassen können, wenn Bus oder Bahn mehr als zehn Minuten zu spät sind.

Dem Fahrgastbeirat bot der Gimmler-Geschäftsführer einen gemeinsamen Austausch an, an dem auch der Betriebsratsvorsitzende teilnehmen könne. Susanne Wind, Seniorenbeauftragte in Wetzlar, regte an, in Bussen und an Haltestellen Servicetelefonnummern deutlich sichtbar anzubringen, falls Fahrgäste Fragen oder Kritik haben.

Abhilfe für die überfüllten Linien 12 und 13 im Busverkehr

Für die zeitweise stark überlasteten Stadtbuslinien 12 und 13 soll es möglichst nach den Sommerferien eine Lösung geben. In der Dezember-Sitzung des Fahrgastbeirats waren die Probleme diskutiert worden: Busse, die so voll sind, dass sie an den Haltestellen vorbeifahren, Verspätungen. Eine Rolle spielen die große Zahl der Schüler, die Richtung Schulzentrum Frankfurter Straße und zurück fahren, die große Zahl von StudiumPlus-Studierenden und Arbeitsplätzen in der Spilburg sowie die Länge der Linie 12, die durch die ganze Stadt fährt.
Von einer „prekären Situation“ sprach Stadtrat Norbert Kortlüke (Grüne) am Mittwoch im Fahrgastbeirat. Abhilfe werde nicht geschaffen, indem einfach zusätzliche Busse eingesetzt werden, sondern es müsse eine zusätzliche Linie geben. Wie eine solche verlaufen könnte, werde im Rathaus unter dem Arbeitstitel Linie 15 geprüft. Die Lokale Nahverkehrsorganisation der Stadt ermittle derzeit die Kosten.
Stimmen die Gremien der Stadt zu, könnte die zusätzliche Linie nach den Sommerferien ihren Betrieb aufnehmen. (diw)

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